Im Fokus: berufliche Vorsorge

Die Idee – Ausweg aus der Sackgasse «Richtiger» Umwandlungssatz


Der Entscheid über die Höhe des Umwandlungssatzes einer Vorsorgeeinrichtung (Pensionskasse) ist folgenschwer. Er beeinflusst für Jahrzehnte das Einkommen der Rentner, die finanzielle Lage der Pensionskasse und die Situation des Arbeitgebers. Im Einzelnen wollen die Pensionierten möglichst hohe Renten, und die Pensionskassenverantwortlichen müssen zurückhaltend sein, damit sie die Sicherheit ihrer Einrichtung langfristig garantieren können.

Heinz Hartmann

Heinz Hartmann

Stiftungsratspräsident Pensionskasse PwC und COO/CFO PwC Schweiz

Wie hoch ist nun der «richtige» Umwandlungssatz? Leider sind Anlagerendite und Lebenserwartung der Rentner als Grundlagen für die nächsten 20 bis 30 Jahre nicht einmal ansatzweise bekannt. Wie soll der korrekte Umwandlungssatz mit dieser Ausgangslage ermittelt werden können? Ist er jedoch einmal festgelegt, sind Anpassungen nach oben möglich, Korrekturen nach unten aber nur unter gewissen Umständen machbar. Deshalb darf der Umwandlungssatz keinesfalls zu hoch sein. Bei der obligatorischen Vorsorge liegt dieser Entscheid in der Kompetenz des Gesetzgebers bzw. am Schluss wohl beim Souverän. Damit könnten die Interessen der Rentner einseitig in den Vordergrund rücken. Politik und Wirtschaft müssen sich darauf vorbereiten, wie sich das System zukünftig nachhaltig finanzieren lässt.

Vielschichtiges Dilemma

Für die überobligatorische Vorsorge liegen Kompetenz und Verantwortung beim Stiftungsrat, der sich paritätisch aus Arbeitnehmern und Arbeitgebern zusammensetzt. Er muss die einzelnen Interessen vorsichtig abwägen:

  • Kürzungen der Umwandlungssätze führen zu Einkommenseinbussen für die zukünftigen Rentner; diese sehen das möglicherweise als unnötige Überreaktion.
  • Durch einen Aufschub der Anpassung kann der Vorwurf für verantwortungsloses Handeln laut werden. Denn ein solcher löst bei der Pensionskasse möglicherweise umfangreiche Umlagerungen von Aktiven zu Rentnern aus oder gefährdet sogar die Zahlungsfähigkeit der Pensionskasse.
  • Der Arbeitgeber will sicherstellen, dass seine Pensionskasse auch für neue Mitarbeiter attraktiv bleibt. Sanierungsbeiträge und tiefe Verzinsung der Sparkapitalien wegen Umverteilungen aus zu hohen Leistungsversprechen wirken abstossend. Die Subventionierung der Rentner zulasten der Aktiven steht in einem krassen Widerspruch zum Konzept der zweiten Säule.
  • Eine Kürzung des Umwandlungssatzes löst bei den Mitarbeitern die Erwartung aus, der Arbeitgeber möge durch zusätzliche Sparbeiträge und Kompensationszahlungen zur Reduktion von Leistungskürzungen beitragen.
  • Durch die Senkung des Umwandlungssatzes wächst das Bedürfnis der Arbeitnehmer, länger zu arbeiten und dadurch Leistungskürzungen zu vermeiden – was nicht in allen Fällen im Interesse des Arbeitgebers liegt.
  • 1e-Pläne (vgl. 1e-Vorsorgepläne) sind zum Thema geworden. Mit solchen Plänen wählen die Versicherten ihre Anlagestrategie zu einem bestimmten Grad selbst, gleichzeitig übernehmen sie damit aber das Anlage- und Langleberisiko.

Nüchtern betrachtet ist es eine Tatsache, dass sich der «richtige» Umwandlungssatz nicht festlegen lässt. Interessenkonflikte bleiben, und die Rahmenbedingungen sehen in der Zukunft immer anders aus als ursprünglich angenommen.

Abbildung 1: Die mehrkanalige Herausforderung einer Pensionskasse
Subventiondurch Aktive Zinsen Altersrente Alterskapital Umwandlungssatz

Eine weitsichtige Lösung

Der Stiftungsrat der Pensionskasse von PwC hat sich für Massnahmen zur Reduktion der Umverteilung entschieden, die auch für die Rentner vorteilhaft und verständlich sind. Denn das Renteneinkommen bleibt planbar. Bei diesem Modell wird der fixe Rententeil zwar gesenkt, aber durch einen variablen Bonusteil ergänzt. Der Bonusteil wird aufgrund der Vergleichsrechnung Soll-Ist-Rendite periodisch festgelegt. Das bedeutet, dass bei ungenügender Rendite eine Kürzung des Bonusteils möglich ist; bei guter Rendite erfolgt eine Anpassung nach oben. Damit lässt sich der Umwandlungssatz gewissermassen laufend korrigieren. Dieses Vorgehen hat den positiven Nebeneffekt, dass die Renten indirekt der Teuerung angepasst werden. Denn diese ist bei hohen Zinsen tendenziell ebenfalls höher – und umgekehrt. Zu Beginn wurde das neue PwC-Modell nur für Neurentner mit Rentenbeginn ab 2005 eingesetzt. Die nötigen Kürzungen der Umwandlungssätze der zukünftigen Rentner und die tiefen Renditeerwartungen führen dazu, dass die Neurentner mehr Kapital für ihre eigene Vorsorge brauchen. Der Stiftungsrat will deshalb die Umverteilung einschränken, indem das Rentenmodell auch für die laufenden Renten (Altrentner) angewendet wird. Heisst, auch diese Renten werden je nach Anlagerendite angepasst. Dabei handelt es sich nicht um eine Sanierungsmassnahme, sondern um die Umstellung auf ein zweckmässigeres System. Dieses bewirkt eine Indexierung aller Renten – und reduziert die Umverteilung.

Die Systematik und Funktionsweise des Modells wird im zweiten Teil dieses Beitrages Das Modell von PwC – Dynamische Altersvorsorge beschrieben.

Wir sind für Sie da!

Heinz Hartmann

Heinz Hartmann

Stiftungsratspräsident Pensionskasse PwC und COO/CFO PwC Schweiz

+41 58 792 15 44

Fazit

Die Grosswetterlage der Schweizer Altersvorsorge erlaubt zurzeit keine heiteren Prognosen. Umso wichtiger werden für die zweite Säule finanziell nachhaltige Lösungen, die die jüngeren Aktivgenerationen nicht benachteiligen. Bei PwC haben wir uns für ein dynamisches Modell entschieden, das sich an der Realität orientiert und die Interessen der Rentner und der aktiv Versicherten im Auge behält. Auf diese Weise übernehmen wir Verantwortung für unsere Pensionskasse und für die Gesellschaft von übermorgen.